Hennigsdorf: Bürgerinitiative sammelt Unterschriften - rbb kommt

Jede Menge Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Brücke für Hennigsdorf“ beim Familienfest am Maifeiertag in der Havelstadt gesammelt. Ihr Ziel: Errichtung einer Behelfsbrücke und Abkehr von der geplanten Vollsperrung, wenn 2021 der Brückenneubau kommt. Die Unterschriftenlisten lagen an allen Ständen gleich welcher politischer Couleur aus, denn alle sind sich einig: Die Stadt Hennigsdorf muss trotz Brückenbau erreichbar bleiben! „Wir werden den Druck hochhalten“, so Udo Buchholz, der Sprecher der Bürgerinitiative, die die Proteste von Bürgerinnen und Bürgern, Gewerbe und Industrie, Institutionen und Vereinen sowie der örtlichen Politik bündelt. Einen weiteren Schub für den Protest erwartet die Bürgerinitiative von der rbb-Sendung „Brandenburg aktuell“: Für einen Bericht kommt der blaue Roburbus am Samstag, den 4. Mai 2019, um 11 Uhr auf den Festplatz an der Brücke. Dann sollen alle Beteiligten interviewt werden, der Beitrag soll Sonntagabend in „Brandenburg aktuell“ gesendet werden. (Link hier [06.05.19])

 

Ob es eine Rolle rückwärts gibt? „Das Wasser- und Schifffahrtsamt soll offenbar nun doch den Bau einer Behelfsbrücke während des Havelbrücken-Neubaus prüfen“, berichtet Buchholz von der proppenvollen Infoveranstaltung im Hennigsdorfer Rathaus Ende April. Neben der turnusmäßig stattfindenden Untersuchung der Brücke sollen nochmals alle möglichen Varianten geprüft werden. Bis Ende Mai soll eine erneute Risikoabschätzung erfolgen, ob der Bau einer Ersatzbrücke die Standfestigkeit der vorhandenen Brücke gefährden könne. Ein möglicher Standort liegt südlich davon und würde das Gelände des Ruderclubs Oberhavel tangieren.

Zwischenzeitlich regt sich auch in den umliegenden Gemeinden Protest. Eine mögliche Umleitung über Hohenschöpping würde Velten „unerträglich“ belasten, so Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD). „Ich halte die geplante Brückensperrung in Hennigsdorf für inakzeptabel“, betont Inka Gossmann-Reetz, die SPD-Landtagsabgeordnete der Nordbahngemeinden. Bei der geplanten Vollsperrung erreichen Rettungswagen aus Hohen Neuendorf kommend das Krankenhaus Hennigsdorf nur noch über weite Umwege. „Das bedeutet bei einem Notfall großen Zeitverlust. Auch das für die Nordbahngemeinden zuständige Polizeirevier Hennigsdorf wird faktisch von seinem Zuständigkeitsgebiet komplett abgeschnitten“, beschreibt sie die Situation.

Gemeisam mit den SPD-Landtagsabgeordneten Detlef Baer und Björn Lüttmann hat Inka Gossmann-Reetz in dieser Woche einen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geschrieben. Er solle seine Entscheidung überdenken, die Stadt müsse erreichbar bleiben. „Dazu ist der Bau einer Behelfsbrücke für die Dauer der Bauzeit unerlässlich“, so die drei Abgeordneten aus Oberhavel, die auf die starken Pendlerströme im Südkreis und Hennigsdorf als Wirtschaftsstandort verweisen.

Eine gemeinsame Erklärung haben Landrat Ludger Weskamp, sein Stellvertreter Egmont Hamelow, Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther, der Präsident der Industrie- und Handelskammer Potsdam, Peter Heydenbluth, der Geschäftsführer der Oberhavel Holding und Wirtschaftsförderungsgesellschaft WInTO GmbH, Andreas Ernst sowie Juliane Lieger, die Einsatzleiterin des Rettungsdienst Oberhavel, nach Bekanntwerden der Pläne für den Brückenneubau unterzeichnet. Auch für sie ist klar: Hennigsdorf und die gesamte Region brauchen eine funktionierende Brücke. Und das zu jeder Zeit. Sie haben ihre Forderung nach einer Behelfsbrücke an Bund, Land und das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde übermittelt.

 

Aktuell monatelange Vollsperrung geplant

Wenn die Havelbrücke 2021 neu gebaut wird, soll es aktuell keine Verkehrsverbindung über die Havel, stattdessen aber weite Umleitungen nach Hennigsdorf geben. Die mindestens neunmonatige Sperrung der wichtigen Verbindung schneidet die südliche Region des Landkreises ab und sorgt für ein Verkehrschaos mit fatalen Folgen: die Wege für Rettungsdienste und Polizei verlängern sich, was in Notsituationen lebensbedrohlich sein kann, der gesamte Wirtschaftsverkehr ist nicht mehr reibungslos möglich, der Arbeitsweg von zehntausend Pendlern wird länger und teurer, wie der Schulverkehr oder die Müllabfuhr geregelt werden, ist völlig unklar. (SF)